Der eigentliche Kostenfaktor
Unternehmen rechnen gern. Personalkosten hier. Overhead dort. Der Mensch steht in der Bilanz, meist als Aufwand.
Die Rechnung hat eine Lücke: Sie zeigt nicht, was es kostet, wenn Menschen nicht mehr können oder nicht mehr wollen. Den höchsten Preis zahlen sie selbst, mit ihrer Gesundheit und ihrer Freude an der Arbeit. Das Unternehmen zahlt mit.
Wer erkrankt, verdient jede Unterstützung. Die eigentliche Frage ist, warum es so weit kommt.
Was kosten psychische Belastungen die Wirtschaft?
Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Internationale Arbeitsorganisation ILO haben es beziffert. Depressionen und Angststörungen kosten weltweit rund 12 Milliarden Arbeitstage im Jahr. Das sind knapp 1 Billion US-Dollar. Jedes Jahr. Der größte Teil davon ist verlorene Produktivität.
Diese Zahl macht aus einem Gesundheitsthema ein Wirtschaftsthema.
Was bedeutet das für ein einzelnes Unternehmen?
McKinsey hat nachgerechnet: Wenn Menschen innerlich abschalten oder gehen, verliert ein mittelgroßes Unternehmen aus dem S&P 500 zwischen 228 und 355 Millionen US-Dollar im Jahr. Allein an Produktivität. Beides ist laut McKinsey häufiger, wo es den Menschen gesundheitlich schlecht geht. Und das betrifft viele: In einer Befragung von über 30.000 Beschäftigten in 30 Ländern zeigten 22 Prozent Anzeichen von Burnout.
Warum ist Burnout ein Systemfehler?
Burnout ist kein individuelles Problem. Es ist ein Systemfehler.
Das sieht auch die WHO so. Sie führt Burnout als Phänomen der Arbeitswelt: Die Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht bewältigt wurde. Die Ursache liegt also in der Arbeit selbst und in den Strukturen, die ein Unternehmen gestaltet. Wer erkrankt, hat nichts falsch gemacht. So weit kommt es, wenn Belastung zum Dauerzustand wird und niemand gegensteuert.
Wer Menschen überlastet, zahlt doppelt. Einmal für Arbeit, die nicht mehr gut gemacht wird. Und ein zweites Mal für Ausfall, Ersatz und Stillstand.
Wo verstecken sich die höchsten Kosten?
Die teuersten Folgen tauchen in keiner Kostenstelle auf. Sie verstecken sich
- in Ideen, die nie gedacht werden,
- in Talenten, die gehen, bevor sie wirken konnten,
- in stiller Kündigung: Bei Menschen, die bleiben und nur noch das Nötigste tun.
Hinter jeder dieser Positionen steht ein Mensch. Und keine davon lässt sich buchen.
Was zeigen Unternehmen mit guter Arbeitskultur?
Die Rechnung hat auch eine andere Seite. Great Place To Work hat untersucht, was Unternehmen mit einer Kultur des Vertrauens auszeichnet. Sie sind schneller bei Innovationen und produktiver. Und ihre Mitarbeitenden bleiben länger.
Der Grund dafür ist der Fokus auf die Menschen. Genau dort setzen diese Unternehmen an.
Hier liegt die Antwort auf die Frage vom Anfang: Wo Menschen ihrem Arbeitgeber vertrauen, sprechen sie Überlastung an, bevor sie krank macht. Was diese Unternehmen verbindet, lässt sich messen: Das Vertrauen der Mitarbeitenden. Great Place To Work befragt dafür die Menschen selbst, anonym. Über 22.000 Unternehmen mit 20 Millionen Mitarbeitende in über 180 Ländern wurden so befragt.
Welche Frage sollten sich Unternehmen stellen?
Die entscheidende Frage lautet also nicht:
Können wir uns Investitionen in die Menschen leisten?
Sonder: Können wir es uns leisten, es nicht zu tun?
Nicht der Mensch ist der Kostenfaktor. Sondern die Haltung, ihn so zu behandeln.
Die genannten Zahlen und Einschätzungen dienen der Illustration gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Zusammenhänge und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Vergleichbarkeit.
Quellen
- WHO und ILO: „WHO and ILO call for new measures to tackle mental health issues at work“, 28.09.2022, https://www.who.int/news/item/28-09-2022-who-and-ilo-call-for-new-measures-to-tackle-mental-health-issues-at-work
- McKinsey Health Institute: „Reframing employee health: Moving beyond burnout to holistic health“, 02.11.2023, https://www.mckinsey.com/mhi/our-insights/reframing-employee-health-moving-beyond-burnout-to-holistic-health
- WHO: „Burn-out an ‚occupational phenomenon‘: International Classification of Diseases“, 28.05.2019, https://www.who.int/news-room/detail/28-05-2019-burn-out-an-occupational-phenomenon-international-classification-of-diseases
- Great Place To Work: „How High-Trust Culture Drives Business Success“, Research Report, https://www.greatplacetowork.com/en/resources/reports/the-business-case-for-high-trust-culture
Häufige Fragen
Wie lässt sich Arbeitskultur messen?
Zum Beispiel mit dem Trust Index von Great Place To Work®. Das spezialisierte Befragungsinstitut lässt die Beschäftigten selbst anonym bewerten, wie sehr sie ihrem Arbeitgeber vertrauen.
Wie teuer sind innere Kündigung und Fluktuation für Unternehmen?
McKinsey schätzt: Wenn Menschen innerlich abschalten oder das Unternehmen verlassen, verliert ein mittelgroßes Unternehmen aus dem S&P 500 zwischen 228 und 355 Millionen US-Dollar im Jahr an Produktivität. Beides ist häufiger, wo es den Menschen gesundheitlich schlecht geht.
Was kosten Depressionen und Angststörungen die Weltwirtschaft?
Nach Schätzung von WHO und ILO gehen dadurch jedes Jahr rund 12 Milliarden Arbeitstage verloren. Das entspricht knapp 1 Billion US-Dollar, vor allem durch verlorene Produktivität.
Ist Burnout eine Krankheit?
Nein. Die WHO führt Burnout in ihrer Klassifikation ICD-11 als Phänomen der Arbeitswelt, nicht als eigenständige Erkrankung. Es beschreibt die Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht bewältigt wurde.


